Ich freue mich sehr, dass ich auch diesmal wieder bei der großartigen Blogparade der Lemonista Gela Löhr mit meinem Beitrag dabei sein darf. Das Thema lautet diesmal:  „BYE, BYE TRAUMFIGUR? WIE GEHT DAS MIT DEM WOHLFÜHLGEWICHT AB 40? ODER 50?“

Und los geht’s:

Wechseljahre hin oder her: Am Ende werde ich tanzen!

Wie alles begann

Egal, wie lange ich zurückdenke, ich hatte nie die zartgliedrige Eleganz einer Gazelle. Auch nicht als Kind. Das Gute daran war, dass ich als solches auch keinerlei Gedanken an Dinge wie BMI, Kohlenhydrate oder Cellulitis verschwendet habe. Stattdessen sprang ich gerne und ausgiebig draußen herum, wie ein Flummi in Menschengestalt: Gummitwist hüpfen, auf Bäume klettern, seilspringen, fangen spielen, schaukeln, Rutschbahn rutschen, am Klettergerüst turnen, mit unserem Hund herumtoben oder einfach zu den neusten Hits herumtanzen.

Das komplette Kinder-Spaßprogramm.  Alles war einfach ganz spielerisch und natürlich. Der Spaß stand im Vordergrund und ich habe es geliebt, mich und meinen Körper auszuprobieren. Und das Leben mit allen Sinnen zu genießen. Grenzen gab es für mich einfach nicht.

Aber kaum rückte als Teenager das andere Geschlecht in meinen persönlichen Fokus, sah meine Welt urplötzlich völlig anders aus. Wie von Geisterhand geriet ich in den Teufelskreis des Vergleichens. Eifrig nach links und rechts spinzend wurde das eigene Aussehen plötzlich sehr kritisch unter die Lupe genommen. Die dort entdeckten diversen Problemzonen galt es fortan geschickt zu kaschieren, um das andere Geschlecht nicht in die Flucht zu schlagen.

Hochmotiviert rückte ich mithilfe von Jane Fondas neusten Aerobic-Videos den Knubbelknien und den zu kräftig geratenen Oberschenkeln zu Leibe. Hautenge Kleidung landete gnadenlos in der Altkleidersammlung. Stattdessen trug ich nach Möglichkeit mehr oder weniger lässige, legere Outfits á la Bundeswehr-Parka … nicht sexy aber ziemlich praktisch.

Die neuste Brigitte-Diät wurde zelebriert, Kohlsuppe literweise konsumiert und die geliebten Mohrenkopf-Matschbrötchen durch trockene Knäckebrote ersetzt…örgs. Gemeinerweise kletterten die Zahlen auf der Waage trotzdem stetig in schwindelerregende Höhen und parallel dazu begann der eigene Selbstwert erste Risse zu verzeichnen.

 

Der Kampf mit der Waage

So richtig frustig wurde die ganze Sache aber erst mit der Geburt meiner Kinder. In drei aufeinanderfolgenden Jahren hatte ich das Glück meiner drei prachtvollen Söhne zur Welt bringen zu dürfen. Dem Mutterglück auf der einen Seite stand nun aber auch die massive Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper gegenüber.

Nicht nur die Schwangerschaften, sondern auch die Herausforderung drei kleine Jungs parallel groß zuziehen, forderten ihren Tribut an Nerven, Zeit und letztlich auch an meinen Körper. Wisst ihr eigentlich, warum Online-Shopping so schön ist? Weil man sich nicht den Qualen von in 360° rundum angebrachten, mitleidlos die Realität abbildenden Umkleidekabinen-Spiegeln ausgesetzt sieht! Wer braucht sowas?

So richtig fing die Kacke aber erst an zu dampfen, als der Zenit der 40 erst einmal überschritten war. Die Zahlen auf der Waage entwickelten ein sehr eigenwilliges und unkontrollierbares Eigenleben mit Tendenz zu Größenwahn.

Mein Selbstwertgefühl verabschiedete sich daraufhin ins Exil. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht dem Gewicht und der ausufernden Körperfülle entschlossen den Kampf angesagt hätte. Ihr wisst schon Piratenbraut und nix Prinzessin!

Obwohl ich mir von verschiedenen Ernährungsberatern ins kulinarische Hirn greifen ließ, wusste ich zwar bald über langkettige Kohlenhydraten, Omega-3-Fettsäuren und den glykämischen Index, aber die störrischen Zahlen auf der Waage zeigten sich davon nur mäßig beeindruckt. Das der Gatte alldieweil munter an Gewicht verlor, zauberte mir leider auch kein Lächeln ins Gesicht, sondern frustrierte mich nur noch mehr.

Ich begann meinem Körper ähnlich liebevolle Gefühle entgegenzubringen, wie Harzer Roller … ich fing an mich vor mir selbst zu ekeln und mich zu schämen. Auch das exzessive Schwingen von Walking-Stöcken und das kurzfristige Abhecheln auf einem Spinning-Rad wollte partout kein euphorisches Hochgefühl in meinen Synapsen aufblitzen lassen.

Allmählich beschlich mich das ungute Gefühl, figurmäßig bald völlig aus den Fugen zu geraten. Die parallel an der beruflichen als auch privaten Front erscheinenden Stress-Szenarien verschärften die Emotionslage nur noch weiter. Den Höhepunkt davon bildete im Dezember 2015 eine Gehirn-OP, die mich nicht nur körperlich, sondern auch seelisch aus dem Gleichgewicht brachte und komplett auf den Planken der Realität zwang.

Mit derart aufgeschürften Knien musste ich mich in dieser Phase von sportlichen Aktivitäten erst mal komplett verabschieden. Zu meinem eigenen Entsetzen spiegelte sich das auch in ziemlich krassen Zahlen auf der Waage wider. Mein Selbstwertgefühl schrieb mir alldieweil eine Postkarte aus eine extraterrestrischen Galaxie.

 

The Wind of Change – die Challenge

Aufgrund meiner Gleichgewichtsstörungen und meine Ankunft in den Wechseljahren wurden Sport und Gewicht in meinem Leben schließlich zu echten Frustthemen für mich. Ich fühlte mich in meinem Körper nicht mehr wohl und als Frau weder wirklich sexy noch begehrenswert. Fieberhaft suchte ich nach einem Ausweg, um diesen Zustand endlich beenden zu können.

Dabei fiel ich eher durch Zufall über die 90 Tage-Challenge „Fit ohne Geräte“ von Mark Lauren. Ein Konzept, welches ohne Geräte funktionieren sollte, also ohne das gruselige Fitnessstudio samt der erniedrigenden Fleischbeschau vor Ort auskam? Das klang spannend für mich und so bestellte ich kurzerhand sowohl das Anleitungsbuch als auch das begleitende Tagebuch.

Just in dem Moment, als mein Mann bei deren Eintreffen mit diesem zweifelnden Blick mitleidig lächelnd bemerkte: „Das hältst du doch sowieso nicht durch!“ weckte er in mir eine fast vergessene Stimme – meinen „Stolz-Klabauter“. Der flüsterte nur mit entschlossenem Blick: „Sag niemals nie zu mir!“ und krempelte wild entschlossen die Ärmel hoch.

Was dann geschah, hätte ich selbst vorher nicht für möglich gehalten. Ich fräste mich tatsächlich wie ein Terrier durch die 90 Tage der Challenge. Ich stemmte meinen Körper tapfer Liegestütz um Liegestütz der Schwerkraft entgegen, hing bizepsformend unterm Küchentisch und der Orangenhaut trotzend squattete ich, was die Oberschenkel hergaben.

Ich kann euch sagen, das war eine echt herausfordernde Zeit, in der ich mir manches Mal ein Sauerstoffzelt gewünscht hätte. Aber Aufgeben war für mich einfach keine Option. Und was soll ich sagen, tatsächlich verlor ich nicht nur einiges an Kilos.

Nein, ich bekam vor allem nebenbei ein ganz neues Körpergefühl. Und Muskeln an Stellen, von denen ich vorher nicht mal wusste, dass ich dort welche hatte. Außerdem veränderte sich auch mein Denken bezüglich der eigenen Fitness. So wurde das Bodyweight-Training zu meinem neuen Lieblings-Sport, den ich bequem von Zuhause aus machen und problemlos in meinen Alltag integrieren konnte. Ich schloss ein Abo bei Gymondo ab und probierte gleich verschiedene Varianten aus und zwar mit wachsender Begeisterung und nie dagewesener Ausdauer.

 

Let’s dance – Es lebe mein Körperfasching!

Mitte des Jahres schloss sich dann der Kreis zu meiner Kindheit, denn ich entdeckte (wieder durch Zufall) einen Link bei Facebook, der mich sofort neugierig machte: das dancit-Fitness Programm von Christian Polanc, einem der Profi-Tänzer von „Let’s dance“. Wusstet ihr, dass es kaum Tänzer mit Übergewicht gibt?

Als ich die Beschreibung las, war ich sofort sowas von angekickt und wusste gleich: Das ist  das Sportprogramm,  nach dem ich immer gesucht hatte. Eins das mir so viel Spaß macht, dass ich es auch dauerhaft durchziehen kann ohne die Lust daran zu verliereb. Und so buchte ich sofort das große Paket.

Das dancit-Fitness-Programm ist seitdem für mich die ideale Kombination aus Krafttraining mit dem eigenen Körper und herausfordernden Tanz-Workouts. Es sorgt sowohl für einen guten Muskelaufbau als auch für ein abwechslungsreiches Ausdauertraining, das mir einfach mordsmäßig Freude bereitet. Gerade weil das Tanzen für mich so ein Fest für alle Sinne ist, nenne ich es liebevoll meinen persönlichen “Körperfasching”.

Niemals hätte ich gedacht, dass mir ausgerechnet jenseits der 50 Sport jemals wieder so dermaßen viel Fun  machen würde. Gerade das Spielerische gefällt mir daran so total gut und sorgt für die nötige Leichtigkeit, mit der ich auch wirklich langfristig in Bewegung bleiben kann. Daher empfehle ich es auch hier in diesem Blogartikel gerne weiter.

Wenn du also auch zu denjenigen Frauen gehörst, die früher schon gerne getanzt haben und es lieben, sich zu Musik zu bewegen, dann schnupper doch einfach mal rein.
Link: https://dancit-fitness.de/

 

Love is in the air – Und am Ende werde ich tanzen

Abschließend möchte ich dir nicht vorenthalten, dass dieses Programm noch einen interessanten Nebeneffekt hatte. Denn spannenderweise hat  sich nicht nur mein Körper selbst dadurch verändert  und ich bin fitter geworden. Nein, darüber hinaus hat sich auch mein Verhältnis zu mir selbst, meinem Körper und den Zahlen auf der Waage völlig transformiert.

Heute bin ich längst nicht mehr so ungeduldig mit mir, meinen eigenen Kurven und den körperlichen Gegebenheiten, die ein weiblicher Körper mit meiner Geschichte nun mal mit sich bringt. Ich kann mich selbst wieder ganz liebevoll und mit einem wohlwollenden Blick betrachten und bin meinem Körper dankbar, was er für mich geleistet hat und immer noch täglich leistet. Mittlerweile eifere ich nicht mehr begierig irgendwelchen dämlichen Zahlen aus irgendwelchen langweiligen Tabellen hinterher, welche mir nahelegen wollen, wie ich gefälligst zu sein habe.

Nö, ich finde mich sexy , so wie ich bin, liebe es mich feminin zu kleiden … ja auch drunter! … und all das Schöne , das ich an mir selbst entdecke auch zu betonen. Und kaum war das passiert, da kam auch mein Selbstwertgefühl völlig gutgelaunt aus dem Urlaub zurück, Arm in Arm mit meinem Selbstvertrauen.  Beide tanzen und trainieren seitdem mit und werden mit jedem Tag ein bisschen stärker.

Das letzte Jahr war für mich persönlich von einigen unerwarteten Stürmen geprägt, aber am Ende habe ich auch diese gut überstanden. Und auch wenn es das Aus für einen Teil meiner persönlichen Geschichte bedeutet hat, weht ein neuer Hauch von Liebedurch mein Leben, für den ich sehr, sehr dankbar bin.

Ich bin selbst überrascht darüber, wie schnell sich das Schild, dass ich mir Anfang des Jahres gekauft habe, tatsächlich als wahr erwiesen hat: „Egal was auch passiert, am Ende werde ich tanzen.”

Wenn auch du eine Frau bist, die gerade gezwungenermaßen durch die Wechseljahre tanzt, dann hoffe ich, dass ich dir mit meinem Blogartikel Mut machen kann, …

  • dich auf die Suche nach der für dich passenden Form von Bewegung zu machen. Etwas, was dir persönlich Spaß macht und deinem Körper gut tut.
  • auf dass du (genauso wie ich) eine Vorstellung davon gewinnst, was Wohlfühlgewicht für dich persönlich bedeutet.
  • dich traust darauf hinzuarbeiten und dir dabei von niemandem reinreden zu lassen.
  • trotz eventuell vorhandener Kurven, Ecken oder Kanten stets liebevoll, wohlwollend und wertschätzend mit dir selbst und deinem Körper umzugehen.

Dafür wünsche ich dir von Herzen viel Erfolg und sende dir lieber, regenbogenbunte Grüße,

Deine Elke Storath

©  Elke Storath 2019

6 Kommentare

  1. Angelika Erz

    Liebe Elke, dein Beitrag zur Blogparade hat mich sehr berührt. Denn genauso soll es sein – am Ende werden wir tanzen! Danke dafür 🙏🏻
    Liebe Grüße,
    Angelika

    Antworten
  2. Anja Rödel

    Vielen Dank für Deinen wundervollen Beitrag zu dieser Blogparade!
    Jaa, an so einigen Stellen erkenne ich mich auch wieder – besonders an der Stelle, wo der Tanz mich gefunden hat! 🙂
    Liebe Grüße, Anja

    Antworten
  3. Sunita Ehlers

    Klasse!!! Total toll das du deinen Weg gefunden hast und ihn mit uns teilst! liebe Grüsse Sunita

    Antworten
  4. Silke Steigerwald

    Was für ein toller Artikel, liebe Elke. Immer wieder hab ich mich erkannt, mich erinnert und jaaaaaaaaaaaa, darf ich dich zu einem Tänzchen bitten ?

    Herzliche Grüße
    und Danke für den tollen Beitrag.

    Silke Steigerwald

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  5. Andrea

    Danke für deinen Artikel liebe Elke!!!
    Mir als ehemalige Semi-Profi-Tänzerin lief beim Lesen schon das Gehirn auf Hochtouren – wo, wie, was? Tanzen? Jaaaa!!! Danke für diesen Impuls.
    Und auch Danke für deine Geschichte, die mich wirklich berührt hat und Mut machen darf🤗
    Von Herzen alle(s) Liebe,
    Andrea von „Wir müssen reden! – der Beziehungspodcast“

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  6. Susanne Dahl

    Hallo Elke,

    toll, Dein Artikel berührt mich sehr. Richtig schön, wie Du den Weg für Dich gefunden hast, und einfach kleine Schritte gegangen bist, mit entschlossener Haltung. Ja, Tanzen, das kann ich mir so gut vorstellen. Ich tanze innerlich mit Dir!

    Herzliche Grüße
    Susanne

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